Bräuche und Feste

Im Jahr 2014 wurden die Bräuche und Feste der Sorben von der Deutschen UNESCO-Kommission in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Dies sind aus Salzteig hergestellte Figuren, die am Neujahrsmorgen dem Futter des Viehs beigegeben wurden. Sie dienten ursprünglich zur Versorgung der Tiere mit Mineralien in der Winterzeit. Später wurden sie als Talisman und Geschenk für Familienmitglieder umgewidmet. Sie sollten Gesundheit und Glück für das neue Jahr bringen und auch entsprechend der Darstellung einen Symbolgehalt beinhalten. So stand die Kuh für reichlich gute Milch, die Katze für Weiblichkeit, die Igelfamilie für Familienzusammenhalt, die Brezel für genügend Lebensmittel, der Plon (Drachen) für genügend Geld im Haushalt, der Hirsch für Männlichkeit.

Dieser Brauch wird jährlich am 25. Januar gefeiert. Es ist ein Brauch, bei dem man ursprünglich seiner Ahnen gedachte, von denen man glaubte, sie würden als Seelenvögel im Winter durch die Lüfte schwirren. In den 1970-er Jahren wanderte der Brauch aus der Oberlausitz in die Niederlausitz und wird dort seitdem gern in Kindergärten und Schulen gefeiert. Bei den Feierlichkeiten kleiden sich Braut und Bräutigam gern entsprechend der sorbischen/ wendischen Trachten als Brautpaar. Die Gäste kommen in Vogelkostümen, gratulieren. Oft gehen die Kinder vorher heischen und feiern anschließend mit Naschwerk. Dazu wird dann ein sorbisches Programm zum Thema mit und für die Kindern gestaltet.

Seit einigen Jahren kommt auch das Sorbische Nationalensemble nach Cottbus/Chóśebuz und führt ein Theaterstück für die Kinder vorallem aus sorbischen/wendischen Einrichtungen oder Schulen mit Sorbisch-Unterricht die Vogelhochzeit in sorbischer/wendischer Sprache auf.

In der Oberlausitz gibt es zur Vogelhochzeit traditionell noch das typische Gebäck in jeder Bäckerei - die Elster als Symbol für die Vogelhochzeit. In der Niederlausitz hat sich diese Tradition nicht durchgesetzt.

Dies ist ein Vorfrühlingsbrauch, der mit Lärm und Maskierung den Winter mit seinen bösen Geistern vertreiben sollte. Die Anfänge finden sich bereits im Mittelalter beim sogenannten Schomberrennen in der Oberlausitz, bei dem um Bier geheischt wurde. Der Brauch des Winteraustreibens war aber in ganz Europa verbreitet. Die Kostümierung sollte die wahre Person vor den bösen Wintermächten schützen. Tierverkleidung wie Storch oder Bär symbolisieren den Sommer, den Winter dagegen der Schimmel und der Erbsbär. Es gibt auch die doppelte Person und die Eierfrau. Mit dem Lärm der Kapelle sollte der Frühling geweckt werden.

Zampern - Camprowanje © Peter Becker

Meist eine Woche nach dem Zampern findet der Zupust statt. Dies ist aber durchaus in den Dörfern unterschiedlich geregelt und richtet sich nach der Verfügbarkeit der Gaststätte. Eröffnet wird der Zapust mit einem Tanz im Saal der dörflichen Gaststätte. Typisch sind die Festtagstracht der Mädchen und das Fastnachtssträußchen bei den Burschen.

Fastnacht - Zapust © Peter Becker

Bei der wendischen Fastnacht gibt es durchaus verschiedene Abläufe der Vorbereitung des Auftaktes. Allen gemeinsam aber ist, dass sich die ledige Dorfjugend an einem vereinbarten Termin festlich gekleidet, die Mädchen in wendischen Trachten und die Burschen in einem schwarzen Anzug mit Hut und Fastnachtsstrauß, gegen 9:00 oder 10:00 Uhr in der dörflichen Gaststätte einfindet. Auch die Kapelle und der Fotograf stehen dort schon parat.

Nachdem sich die einzelnen Paare in ihren herrlichen Trachten fotografieren ließen, stellen sich alle zum Gruppenfoto auf. Anschließend schreiten die Paare in einem langem Festumzug, allen voran die Blaskapelle und der Jugendführer manchmal mit einem Symbol in der Hand,  ins Dorf und beehren die Einwohner mit einem Tänzchen. Man wird bewirtet und bedankt sich mit einem Schäpschen für den Tanz und die Ehre.

Sind alle im Dorf besucht worden, trifft man wieder in der Gaststätte ein, um sich zum abendlichen Tanz zu versammeln. Hierzu sind alle Dorfbewohner eingeladen. Die neu aufgenommenen Jugendlichen, ab dem 14. Lebensjahr, d.h. nach der Konfirmation oder Jugendweihe, werden jetzt auch “eingetanzt” und festlich in der Dorfjugend aufgenommen.

Eine Woche später folgt dann noch einmal der “Eierkuchenball”, wo die eingezamperten Lebensmittel zubereitet werden und anschließend wiederum beim Tanzabend verspeist werden.

Die wendische Fastnacht/Zapust hat also in der Niederlausitz eine besondere Komponente, die des festlichen Umzuges der Dorfjugend in den wendischen Trachten. Sie weist zudem noch die Brauchelemente des Zamperns der Jugend, der Männerfastnacht und manchmal auch der verheirateten Frauen, die sogenannte “Weiberfastnacht” und den “Eierkuchenball” auf. Gibt es eine  Jubiläumsfastnacht im Dorf zu feiern, etwa zum 120. Mal, dann lädt man alle ein, die jemals im Dorf die wendische Fastnacht miterlebt haben und dann dürfen auch die verheirateten Paare zum Festumzug der Jugend mitmarschieren.

Mit der Fastnachtfeier hat der Winter “ausgedient” und auch die Spintezeit für die ledigen Mädchen findet ihr Ende. Die Vorbereitungen auf das Osterfest beginnen und die Fastenzeit fängt an.

Der meist sonntags stattfindende Festumzug ist dann der Höhepunkt des gesamten Fastnachtsgeschehens.  Vermutlich entstand dieser Brauch erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Zum Umzug der Jugend legen die unverheirateten Mädchen ihre Festtagstrachten mit den bestickten Seidenhalstüchern und den weißen Spitzenschürzen an. Vollständig ist die Tracht aber erst mit der „lapa“, der kunstvoll gebundenen Haube. Leider wird sie nicht mehr überall getragen. Jeder Bursche bekommt von seiner Partnerin einen Zapuststrauß an den Hut oder sein Revers geheftet, und nach einem Tanz im Festsaal und einem gemeinsamen Erinnerungsfoto formiert sich der Festumzug. Mit Musik und Gesang ziehen die Paare durch das Dorf und statten Ehrenbesuche bei verdienstvollen Bewohner*innen ab, wie z.B. beim Bürgermeister, Pfarrer, Schulleiter oder Vereinsvorsitzenden. Diesen wird ein Fastnachtssträußchen überreicht und die Kapelle spielt ein Ständchen für den Ehrentanz. Die so geehrten bedanken sich mit einem kleinen Imbiss und einer Gabe für die Fastnachtskasse. Abends wird das gesamte Dorf zum Fastnachtstanz in die Dorfschänke geladen.

Die Überlieferung besagt, dass zur Fastnacht fleißig getanzt werden muss damit der Flachs gut gedeiht. Und damit er recht lang wird, soll man hochspringen und mit einem möglichst großen Burschen tanzen.

Ein weiterer Tanzabend ist den verheirateten Paaren des Dorfes vorbehalten. Auch zu ihrer „Männerfastnacht“ ziehen die Frauen ihre festliche Tanztracht an.

Das Osterfest ist bei den Sorben/Wenden mit vielen Sitten und Bräuchen verbunden, die in den Familien oder der Gemeinschaft gepflegt werden.

Weit verbreitet ist der jahrhundertealte Frühlingsbrauch des Verschenkens von Eiern. Seine Wurzeln liegen in der heidnischen Vorstellung von der Wiedergeburt der Natur am Ende des Winters und dem christlichen Glauben an die Wiederauferstehung. Und so gilt seit alters her das Ei als Symbol für Wachstum und Fruchtbarkeit. Das Färben und Verzieren von Ostereiern ist eine der ältesten volkskünstlerischen Ausdrucksformen der Menschheit. Die älteste bekannte Erwähnung von sorbischen/wendischen Ostereiern stammt aus der Zeit um 1700.

Heute erfreut sich das Ostereierverzieren großer Beliebtheit und ist fest im Jahresbrauchtum der Lausitz verankert. Die in Wachs-, Kratz-, Ätz- oder Wachsbossiertechnik geschmückten Ostereier werden an Verwandte und Freunde verschenkt. Traditionsgemäß gehen die Kinder am Ostersonntag nach Patengeschenken und bekommen von ihren Paten 3 Eier und eine Ostersemmel geschenkt.

Ostereier © Peter Becker

Schon während der Fastenzeit ziehen die Mädchen der Spinnstube an den Wochenenden jeweils Sonnabendabend oder direkt in der Nacht zum Sonntag durch die wendischen Orte und singen kirchliche Lieder. Dazu tragen sie die dunklen Kirchgangstrachten. In einigen Orten wurde dieser Brauch auch nur in der Nacht zum Palmsonntag und zum Ostersonntag durchgeführt. Die Mädchen singen vor den Häusern der Einwohner und erhalten dafür Kuchen und Getränke. Die Lieder selbst sollen die Hausbewohner für das folgende Jahr schützen, weshalb man so viel Strophen sang, wie Bewohner im Hause lebten.

Die Bedeutung des Osterfeuers liegt in dem bekannten Volksglauben, dass Feuer eine reinigende Kraft in sich birgt. Dieser Brauch erfreut sich heute auch im Landkreis wachsender Beliebtheit.

Am Ostersonnabend errichtet die Jugend eines Ortes einen möglichst großen und hohen Holzstoß der um Mitternacht entzündet wird. Der Schein des Feuers soll möglichst weit scheinen und so das Land fruchtbar machen. Oft versucht die Jugend aus Nachbargemeinden das angehäufte Holz bereits vorher zu entzünden, deshalb heißt es wachsam zu sein, denn sonst sind die Betroffenen mächtigem Spott ausgesetzt. Ist das Feuer fast erloschen, nimmt der Übermut seinen Lauf. Die Burschen hängen Türen und Tore aus und verstecken sie, decken Schornsteine zu oder treiben ähnlichen Schabernack. Besonders der muss auf der Hut sein, der beim Zapust „geizig“ war, d.h. dessen Geldspende recht mager ausgefallen ist.

An den Glauben der Reinheit, Schönheit und Gesundheit fördernden Wassers knüpft dieser Brauch an. Er wird jedoch heute kaum noch gepflegt. Früher holten die Mädchen in der Nacht zum Ostersonntag vor Sonnenaufgang das heilkräftige Osterwasser. Geschöpft wurde es aus einer Quelle oder einem Fließ, wo Wasser aus östlicher Richtung, also vom Sonnenaufgang, floss. Auf dem Hin- und Rückweg musste völliges Schweigen bewahrt werden, da das Wasser sonst seine Wirkung verlor. Mit dem Osterwasser pflegte man sich zu waschen, besprengte das Vieh und mancherorts auch Menschen, denen man begegnete. Die Burschen versuchten jedoch die Mädchen auf ihrem Rückweg zu erschrecken oder die zum Sprechen zu bewegen. Hatten sie damit Erfolg, verlor das Osterwasser seine Wirkung und die Mädchen brachten dann „Plapperwasser“ nach Hause.

Osterwasserholen © Peter Becker

Auf einer Wiese oder im Garten werden von Kindern Ostereier auf einer abschüssigen Bahn heruntergerollt. Wird ein Ei dabei von einem nachrollenden Ei getroffen, gehört das berührte Ei dem Kind das dies vollbrachte. Dieser Brauch diente ursprünglich dem Graswuchs.

Als Mittsommerbrauch wird das Johannisreiten nur noch in einem Dorf der Niederlausitz, in Kahsel/Kózle bei Drebkau/Drjowk durchgeführt. Dazu versammeln sich die Mädchen der Dorfjugend schon vor diesem Fest um den Johannistag, um unzählige Mengen Kornblumen zu sammeln. Diese fädeln sie auf lange Schlangen auf und schmücken damit am Festtag den heiligen Johannis. Dieser wird vollständig umhüllt mit diesen blauen Girlanden und trägt auf dem Kopf eine Binsenkrone, geschmückt mit bunten Blumen des Gartens sowie mit Seerosen. Derartig geschmückt, trifft man sich zum Fest vor der kleinen Dorfkirche und zieht gemeinsam auf den Festplatz außerhalb des Dorfes. Die Burschen und der Johannis sind hoch zu Pferde, die Kappelle und die Mädchen laufen vor ihnen. Die weibliche Jugend ist eingekleidet in weiße Kleider und Schärpen über der Schulter in den sorbischen/wendischen Farben Blau, Rot und Weiß. Auf dem Festplatz angekommen, werden alle Besucher mit einer Rede herzlich begrüßt und die Reiterspiele beginnen. Der Johannis reitet nun mit seinen Begleitern von einer Seite des Festplatzes zur anderen. Dabei werden die Reiter immer weniger. Wenn dem Johannis nur noch drei oder zwei oder nur ein Begleiter schützend zur Seite sind, werden die Gäste des Festes schon mutig und versuchen, den Johannis aufzuhalten, um ihn vom Pferd zu holen und ihn seiner Kornblumen zu berauben. Wer gar die Binsenkrone für sich gewinnt, holt für sein Dorf und seine Familie den Sommer und damit Glück ins Haus. Das Fest endet mit dem abendlichen Tanz in der Gaststätte.

Heute wird längst kein Hahn mehr erschlagen, dieser sitzt vielmehr in einem Käfig neben dem gesamten Treiben. Die Mädchen finden sich wiederum in ihren Festtagstrachten auf dem Festplatz ein. Die Burschen tragen meist ein weißes Hemd und schwarze Hosen. Nach dem einem Burschen die Augen verbunden wurden, er ordentlich herum gedreht wurde, muss er mit einem Dreschflegel einen umgedrehten Topf erwischen. Das machen alle Burschen hintereinander und man ermittelt dabei den geschicktesten. Dieser wird dann Erntekönig, sorbisch/wendisch kral genannt. Anschließend läßt man den Hahn frei , welcher wieder eingefangen werden muss.

Auch die Mädchen ermitteln ihre Königin. Dazu gibt es ebenfalls einen kleinen Wettkampf, das so genannte Fröschekarren. Die Mädchen müssen über eine Distanz mit einem Leiterkarren einen Frosch befördern. Natürlich nimmt man heute aus Tierschutzgründen meist keinen lebendigen Frosch mehr, sondern einen Spielzeugfrosch oder aber einen Burschen oder Heuballen. Allemal ist es ein Geschicklichkeitslauf, bei dem die Königin, die kralowka, ermittelt wird. Am Abend eröffnen König und Königin den Tanz.

Die Reiterwettkämpfe beim Hahnrupfen künden aber von der Geschicklichkeit der Burschen. In einem mit Eichenlaub umwundenen Tor wird ein toter Hahn kopfüber neben kleinen Trostpreisen herab gehängt. Flügel und Hals sind bereits angeschnitten, damit es leichter wird, sie zu erhaschen. Die Reiter reiten nun im Galopp durch das Tor und versuchen zuerst den Kopf, dann die Flüger zu ergreifen. Wer zuerst den Kopf erwischt, wird Erntekönig. Wer die Flüger erhascht, wird zweiter und dritter König. Wieder sind die Mädchen in ihren schönen Festtagstrachten anwesend und unterhalten gemeinsam mit der Kapelle alle Besucher mit Liedern und Tänzen. Die Wettkämpfe der Mädchen sind ähnlich denen zum Hahnschlagen, können aber in den Dörfern variieren. Mancherorts erwählt der Erntekönig seine König auch nur mit verbundenen Augen. Sind die Paare der Sieger ermittel, zieht man gemeinsam mit den Besuchern, allen voran die Kapelle, zum Dorfgasthof zurück, um abens zu tanzen.

Nach dem die Ernte eingebracht ist und die Scheunen gefüllt sind, wird Kirmes gefeiert. Hierzu lädt man alle Verwandten ein und bedankt sich gemeinsam mit ihnen über die gute Ernte. Vorwiegend kommen dann Gäste aus der Stadt, die sich mal tüchtig den Bauch vollschlagen können. Ein Sprichwort sagt dazu: “Nach der Kirmes hast du leere Töpfe und beschmierte Wände.”

Als nächster Brauch im Jahreszyklus folgt die Spinnte, die man früher als “Konversationsstuben” der ledigen Mädchen in der Lausitz bezeichnete. Tatsächlich gingen die Mädchen, die in der Dorfjugend aufgenommen waren, ab dem Andreastag oder dem Michaelstag zur Spinte. Diese fand jeweils bei einer Bäuerin, die ein Mädchen im selben Alter hatte, statt. Die Mädchen gingen in ihren guten Arbeitstrachten allabendlich von 18:00 bis 21:00 Uhr in die Spinte, um dort Garn aus Flachs zu spinnen, ihre Aussteuer herzustellen oder andere Handarbeiten zu verrichten. Dabei wurde nicht nur die Tagesnachrichten ausgetauscht, Märchen und Geschichten erzählt, sondern vor allem viel gesungen und auch die Lieder für das Ostersingen geübt. Höhepunkte in der Spinntezeit waren jeweils der Beginn der Spinte, der Abschlussabend vor Weihnachten, wo es eine Spinnverbot gab, der so genannte “dopalowak” (der Verbrenner) und der Abschlussabend im Vorfrühling vor der Fastnacht. Dazu wurden dann auch die Burschen willkommen geheißen. Sie sorgten für Getränke und Unterhaltung, während die Mädchen für die Speisen verantwortlich waren.

Gesamtübersicht aller sorbischen/wendischen Bräuche und Feste im Jahresverlauf


nach oben